Wie­so die sach­ge­rech­te Ent­sor­gung unse­rer Alt­ge­rä­te so wich­tig ist.

Der Aus­tausch eines Alt­ge­räts erweist sich in eini­gen Fäl­len als wirk­lich posi­tiv für die Umwelt — eine gute Mög­lich­keit, den Ener­gie­ver­brauch zu ver­rin­gern und dabei sogar auf län­ge­re Sicht noch Geld ein­zu­spa­ren. Steht das schi­cke neue Modell erst­mal an Platz und Stel­le, gilt es, die Ent­sor­gung sach­ge­recht abzu­wi­ckeln. Doch gibt es Fäl­le, in denen sach­ge­recht nicht funk­tio­niert — und in den fal­schen Hän­den aus guter Absicht das Gegen­teil her­bei­ge­führt wird.

Die Hin­ter­tür: Ille­ga­le Expor­te

Es waren 155.000 Ton­nen Elek­tro­müll im Jahr 2008, die aus Deutsch­land in Län­der wie Nige­ria, Gha­na, Indi­en oder Süd­afri­ka expor­tiert wur­den, so eine Stu­die von Öko­pol im Auf­trag des Umwelt­bun­des­am­tes. Dabei bezeich­ne­te man die betrof­fe­nen Gerä­te als wie­der­ver­wend­bar — was sie oft­mals nicht waren. Zwar waren Stich­pro­ben auch damals schon Gang und Gebe, jedoch gelang es den Expor­teu­ren durch ein­fa­che Tricks, die Ware trotz­dem durch­zu­schleu­sen.

Ein Bei­spiel dafür: funk­ti­ons­fä­hi­ge Gerä­te wur­den in den vor­de­ren Rei­hen gela­gert, Schrott befand sich wei­ter hin­ten und wur­de somit eher weni­ger raus­ge­zo­gen. Die Gerä­te gerie­ten ins Aus­land, um dort nicht wie­der­ver­wen­det, son­dern auf kata­stro­pha­le Wei­se zer­stört zu wer­den. Dar­aus wur­den wert­vol­le Res­sour­cen gezo­gen — und die­se für weni­ge Cents wie­der an die Indus­trie­län­der zu ver­kau­fen. Auf die­se Wei­se ent­stand bei­spiels­wei­se die gigan­ti­sche Müll­hal­de in Agbog­blo­shie, einem Slum am Ran­de der Haupt­stadt Accra in Gha­na. Kin­der und Jugend­li­che suchen nach Roh­stof­fen, um mit dem extrem gerin­gen Ertrag dar­aus ihre Fami­lie zu ernäh­ren. Dabei kom­men sie täg­lich mit hoch­gif­ti­gen Stof­fen wie Blei und Cad­mi­um, Queck­sil­ber und Chrom in Berüh­rung. Die Sub­stan­zen flie­ßen unge­hemmt durch Stra­ßen­grä­ben und Meer — eine Umwelt­ka­ta­stro­phe mit unvor­stell­ba­ren Aus­ma­ßen.

Bloß nicht in den Haus­müll!

Aus­ge­dien­te Elek­tro­ge­rä­te kön­nen gesund­heits- und umwelt­schäd­li­che Stof­fe ent­hal­ten. Ein Bei­spiel dafür ist Queck­sil­ber in Ener­gie­spar­lam­pen. Gera­ten sol­che Sub­stan­zen unkon­trol­liert in die Umwelt, wirkt sich das extrem schäd­lich auf die­se aus. Außer­dem ist es gera­de die­ser Weg, der den Elek­tro­müll in ille­ga­le Wege führt, sofern die sach­ge­rech­te Ent­sor­gung schon im Haus­halt nicht funk­tio­niert und die Alt­ge­rä­te in der haus­ei­ge­nen Müll­ton­ne oder bei unse­riö­sen Klein­samm­lern lan­den.
Zudem kön­nen die wert­vol­len Roh­stof­fe durch rich­ti­ges Recy­cling die natür­li­chen Res­sour­cen scho­nen. Bereits 2016 soll­ten laut Gesetz min­des­tens 45 Pro­zent in den Wirt­schafts­kreis­lauf zurück­ge­führt wer­den. Ab 2019 soll die Zahl auf min­des­tens 65 Pro­zent anstei­gen.
Des­halb ist es wich­tig, den rich­ti­gen Weg für die Ent­sor­gung zu wäh­len.

Der rich­ti­ge Ent­sor­gung

Und es gibt sie, die rich­ti­gen Wege. Lei­der sind nur viel zu wenig Men­schen aus­rei­chend dar­über infor­miert.
Eine Mög­lich­keit, Elek­tro­schrott sach­ge­recht zu ent­sor­gen, ist der Wert­stoff­hof. Doch was vie­le nicht wis­sen ist, dass der Händ­ler seit 2016 dazu ver­pflich­tet ist, Alt­ge­rä­te kos­ten­los zu besei­ti­gen. Dies gilt für gro­ße Geschäf­te mit einer Ver­kaufs­flä­che für Elek­tro­ge­rä­te von min­des­tens 400 Qua­drat­me­tern, Han­delt es sich um einen Online­shop, gilt die­sel­be Grö­ßen­ord­nung für die Lager- und Ver­sand­flä­che. Gerä­te mit bis zu 25 cm Kan­ten­län­ge, bei­spiels­wei­se Smart­pho­nes, kannst du sogar bei jedem belie­bi­gen Händ­ler abge­ben, völ­lig egal, ob du es bei eben die­sem erstan­den hast. Ein Kas­sen­zet­tel ist nicht nötig. Bei grö­ße­ren Gerä­ten ist der Händ­ler dazu ver­pflich­tet, das Alt­ge­rät bei der Lie­fe­rung des neu­en Modells mit­zu­neh­men. Kaufst du das neue Teil lie­ber im Laden vor Ort, kannst du dein Alt­ge­rät eben­falls dort las­sen. Über die­se gesetz­li­chen Rege­lun­gen hin­aus, kön­nen sich aber auch klei­ne­re Händ­ler indi­vi­du­ell dazu ent­schei­den, die Ent­sor­gung zu über­neh­men. Ein­fach nach­fra­gen.

Wie es mit den Alt­ge­rä­ten wei­ter­geht

Auf dem wei­te­ren Weg des aus­ge­dien­ten Elek­tro­ge­räts gibt es nun zwei Abzwei­gun­gen: Ent­we­der kann man es noch ein­mal wie­der­ver­wen­den — oder es gilt, es end­gül­tig zu ent­sor­gen. Die End­sta­ti­on für das Alt­ge­rät ist dann eine kom­mu­na­le Sam­mel­stel­le für Elek­tro­müll oder der Her­stel­ler. Dafür gibt es recht­li­che Vor­ga­ben, wie dies auf eine fach­ge­rech­te, umwelt­scho­nen­de Art zu erfol­gen hat. Um so den düs­te­ren All­tag auf der Müll­hal­de in Agbog­blo­shie nicht noch gif­ti­ger, töd­li­cher, umwelt- und men­schen­un­wür­di­ger zu machen.


Pho­to 1 by Tina Rataj-Berard on Uns­plash