Die Ener­gie­wirt­schaft sieht sich bereits seit eini­gen Jah­ren mit Ver­än­de­run­gen kon­fron­tiert, wel­che den Umbruch zur Ener­gie­wirt­schaft 4.0 ein­lei­ten. Wäh­rend die Ener­gie­wen­de schnel­le Hand­lun­gen for­dert, steigt auch die Kon­kur­renz in der Ener­gie­bran­che durch ein­tre­ten­de digi­ta­le oder bran­chen­frem­de Kon­kur­ren­ten enorm. Zudem sin­ken die Erträ­ge im Strom­markt. Die Digi­ta­li­sie­rung in der Ener­gie­wirt­schaft bie­tet an die­sem Schei­tel­punkt Mit­tel und Wege die Bran­che maß­geb­lich neu zu defi­nie­ren. Es gilt nun den Wan­del vom Ener­gie­ver­sor­ger zum Ener­gie­dienst­leis­ter zu meis­tern. Denn in der Zukunft öff­nen sich Stadt­wer­ken viel mehr Geschäfts­fel­der als nur Strom und Was­ser.

Wan­del durch die Digi­ta­li­sie­rung in der Ener­gie­wirt­schaft

Ener­gie­ver­sor­ger sehen sich die­sen star­ken Umschwün­gen der Bran­che aus­ge­setzt und sind zur Akti­on gezwun­gen. Die­se Ände­run­gen for­dern, bis dato funk­tio­nie­ren­den Struk­tu­ren her­aus und füh­ren auch zur soge­nann­ten Ener­gie­wirt­schaft 4.0. Sowohl die Ursa­che, als auch die Lösung für die­se Her­aus­for­de­run­gen liegt zu einem gewis­sen Anteil in der Digi­ta­li­sie­rung, wel­che in der Ener­gie­wirt­schaft im Ver­gleich zu ande­ren Bran­chen noch in den Kin­der­schu­hen steckt.

Digitalisierung in der Energiewirtschaft

Bedeu­tung der Digi­ta­li­sie­rung für Ener­gie­ver­sor­ger

Vie­le tra­di­tio­nel­le Ener­gie­ver­sor­ger haben den Hand­lungs­druck aller­dings bereits erkannt, wel­cher sich für sie eröff­net. In der Stadt­wer­ke­stu­die 2020 von EY geben 79% der Stadt­wer­ke an, dass sie sich in den nächs­ten 2–3 Jah­ren sehr stark mit der Digi­ta­li­sie­rung aus­ein­an­der­set­zen wer­den. Damit ist die Digi­ta­li­sie­rung das wich­tigs­te The­ma für Stadt­wer­ke in den nächs­ten Jah­ren. 

Statistik Bedeutung Digitalisierung für Stadtwerke
The­men der Zukunft für Stadt­wer­ke (Quel­le: EY Stadt­wer­ke­stu­die 2020)

Dabei wol­len sich die meis­ten zunächst dar­auf fokus­sie­ren das Kern­ge­schäft zu digi­ta­li­sie­ren. Digi­ta­le Struk­tu­ren bie­ten hier die Chan­ce bedeu­tend effi­zi­en­ter und kos­ten­güns­ti­ger zu wer­den. Ein wich­ti­ger Aspekt auf­grund der anwach­sen­den Kon­kur­renz. Zudem müs­sen Stadt­wer­ke auch ihre Busi­ness-Ana­ly­tics Fähig­kei­ten ver­bes­sern, um die erhöh­ten Daten­men­gen effek­tiv nut­zen zu kön­nen. Auch die Kun­den­bin­dung kön­nen Ener­gie­ver­sor­ger mit einem digi­ta­len Auf­tritt und Dienst­leis­tun­gen stei­gern. 

Chan­ce für attrak­ti­ve, neue Geschäfts­fel­der durch die Digi­ta­li­sie­rung in der Ener­gie­wirt­schaft

Es eröff­nen sich mit der Digi­ta­li­sie­rung auch neue Geschäfts­fel­der für Stadt­wer­ke, wel­che von den Unter­neh­men ange­gan­gen wer­den kön­nen. Neue Tech­no­lo­gi­en bie­ten dabei eine gro­ße Chan­ce für Ener­gie­ver­sor­ger. Die wich­tigs­ten Berei­che sind Smart Mete­ring und Platt­form Model­le, wobei auch Big-Data-Anwen­dun­gen, Robo­tics, sowie Künst­li­che Intel­li­genz wich­ti­ge Tech­no­lo­gi­en für Stadt­wer­ke sind.

Elektrizität

Häu­fig fehlt es in der Ener­gie­wirt­schaft aber noch an einer ganz­heit­li­chen Stra­te­gie, um die Digi­ta­li­sie­rung im eige­nen Unter­neh­men umzu­set­zen und so wer­den zunächst klei­ne­re Teil­ge­bie­te digi­ta­li­siert. Eine Ziel­vor­stel­lung ist hier teil­wei­se feh­lend.  

Neue Kern­tech­no­lo­gi­en in der Ener­gie­wirt­schaft

Elek­tro­mo­bi­li­tät

Elek­tro­mo­bi­li­tät und der Auf­bau einer Lad­ein­fra­struk­tur ist inzwi­schen als Geschäfts­feld bei vie­len Ener­gie­ver­sor­gern ange­kom­men. Etwa 60–80% der Unter­neh­men bie­ten bereits Leis­tun­gen in die­sem Bereich an. Neben dem Auf­stel­len von Lade­säu­len hat beson­de­re Wich­tig­keit auch die öffent­lich­keits­wirk­sa­me Ver­mark­tung die­ser, sowie die Moda­li­tät der Abrech­nung. Aktu­ell sind Stadt­wer­ke ver­gleichs­wei­se stark ver­tre­ten bei der Bereit­stel­lung von Lade­säu­len. Als bal­di­ge Kon­kur­ren­ten sind aller­dings Auto­mo­bil­her­stel­ler selbst und pri­va­te Dienst­leis­ter zu erwar­ten.

Ladesäule E-Mobilität
Instal­la­ti­on von Lade­säu­len für die E‑Mobilität (Foto von A. Krebs auf Pixabay)

Smart Meter

Seit Beginn 2020 ist end­gül­tig klar, dass die Aus­stat­tung von Haus­hal­ten mit Smart Metern eine wich­ti­ger Aspekt für die Ener­gie­bran­che wer­den wird. Smart Meter sind intel­li­gen­te Mess­sys­te­me, wel­che die Mess­da­ten des Kun­den direkt an den Ener­gie­ver­sor­ger wei­ter­lei­ten und das per­sön­li­che Able­sen über­flüs­sig machen. Mit Smart Meter hat so auch der Ver­brau­cher die Mög­lich­keit sei­nen Strom­ver­brauch bes­ser im Blick zu behal­ten.

Smart Meter bie­ten eine wich­ti­ge Daten­quel­le für Ener­gie­ver­sor­ger. Durch die­se Daten kön­nen die Anbie­ter ihre Ange­bo­te an Kund:innen opti­mie­ren und so ein bes­se­res Kun­den­er­leb­nis schaf­fen. Wei­ter­hin ist es auch mög­lich, dass sich dar­aus neue Pro­duk­te und Geschäfts­mo­del­le für Ener­gie­ver­sor­ger ent­wi­ckeln kön­nen. 

Smart City

Unse­re Städ­te wer­den fort­schritt­li­cher, intel­li­gen­ter und effi­zi­en­ter. Die moder­ne Stadt wird auch als Smart City bezeich­net. Unter­schied­li­che Berei­che wie Ener­gie, Stadt­pla­nung, Ver­wal­tung, aber auch Ener­gie ver­net­zen sich immer mehr und ver­bes­sern so unse­re Lebens­qua­li­tät. Dahin­ter ver­birgt sich eine gro­ße Chan­ce für Ener­gie­ver­sor­ger Ener­gie­lö­sun­gen und Dienst­leis­tun­gen anzu­bie­ten, wel­che die Ent­wick­lung zur Smart City vor­an­trei­ben und Stadt­wer­ke so zum ent­schei­den­den Akteur der intel­li­gen­ten und ver­netz­ten Stadt zu machen. 

Straßennetz Smart City

Smart Home

Im Bereich Smart Home drän­gen vie­le Akteu­re auf den Markt. Neben gro­ßen Unter­neh­men wie der Goog­le, Apple und der Deut­schen Tele­kom tre­ten auch zahl­rei­che Start-Ups in die Bran­che ein. Des­halb wird der Wett­be­werb zuneh­mend stär­ker. Für klas­si­sche Ener­gie­ver­sor­ger liegt die Chan­ce hier in der Koope­ra­ti­on mit Start-Ups, bran­chen­frem­den Unter­neh­men, aber auch mit ande­ren Ener­gie­ver­sor­gern selbst, um Syn­er­gi­en zu nut­zen.

Künst­li­che Intel­li­genz / Machi­ne Lear­ning

Mit­tels künst­li­cher Intel­li­genz kön­nen in der Ener­gie­wirt­schaft zum Bei­spiel Pro­zes­se opti­miert wer­den, erneu­er­ba­re Ener­gi­en unter­stützt oder auch die Anfor­de­run­gen der Kun­den bes­ser erfüllt wer­den. Der Mehr­wert künst­li­cher Intel­li­genz liegt damit vor allem im Bereich Nach­hal­tig­keit und Kun­den­bin­dung. Dane­ben haben sich auch Start-Ups in die­sem Bereich posi­tio­niert und die Koope­ra­ti­on mit die­sen stellt eine Hand­lungs­mög­lich­keit für Ener­gie­ver­sor­ger dar.

Künst­li­che Intel­li­genz ist ein zen­tra­les Ele­ment der Wirt­schaft von mor­gen und ein wich­ti­ger Bau­stein für den nach­hal­ti­gen Umbau unse­res Ener­gie­sys­tems“

Kers­tin And­reae, BDEW
Digitalisierung Künstliche Intelligenz

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Wich­ti­ge Schrit­te zur Ener­gie­wirt­schaft 4.0

Die Fort­schrit­te der Digi­ta­li­sie­rung for­dern einen Umbau der klas­si­schen Struk­tur von Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men. Fol­gen­de wich­ti­ge Punk­te für die Wand­lung der Ener­gie­ver­sor­ger zur soge­nann­ten Ener­gie­wirt­schaft 4.0 hat das Fraun­ho­fer Insti­tut gemein­sam mit dem Unter­neh­men Quan­tic iden­ti­fi­ziert:

  • Stär­kung der per­sön­li­chen Netz­wer­ke für mehr Dyna­mik 
  • Ganz­heit­li­che Stra­te­gie in Rich­tung Digi­ta­li­sie­rung
  • Durch­füh­rung von Pilot­pro­jek­ten zur Ein­glie­de­rung der Digi­ta­li­sie­rung
  • Trans­pa­renz für Kun­den schaf­fen
  • Ener­gie­ver­sor­ger als Part­ner des Kun­den
  • Raum für Inno­va­tio­nen schaf­fen
  • Moti­vier­te Mit­ar­bei­ter als Vor­rei­ter für die Digi­ta­li­sie­rung im Unter­neh­men befä­hi­gen
Wohnungswirtschaft
Vom Ener­gie­ver­sor­ger zum Ener­gie­dienst­leis­ter für den End­ver­brau­cher

Aus­bau der Zusam­men­ar­beit von Woh­nungs- und Ener­gie­wirt­schaft

Die EY Stadt­wer­ke­stu­die 2020 hat erkannt, dass es durch neue Tech­no­lo­gi­en zuneh­mend Syn­er­gi­en zwi­schen der Woh­nungs- und Ener­gie­wirt­schaft gibt. Berei­che, die dabei beson­ders rele­vant sind, sind bei­spiels­wei­se Smart Mete­ring, die Kli­ma­neu­tra­li­tät und die Wär­me­wen­de, aber auch die Ver­füg­bar­keit von Lade­säu­len im Zuge der Elek­tro­mo­bi­li­tät. Die Woh­nungs­wirt­schaft ist bereits ein beson­ders rele­van­ter Kun­de für die Ener­gie­bran­che, nun wird aber auch die Koope­ra­ti­on der bei­den Berei­che immer span­nen­der und ver­spricht erfolg­rei­che Geschäfts­mo­del­le. 

E-Auto an Ladesäule

Auch die Poli­tik hat zu die­ser stra­te­gi­schen Annä­he­rung von Ener­gie- und Woh­nungs­wirt­schaft geführt, indem die bei­den Bran­chen die­sel­ben neu­en gesetz­li­chen Rege­lun­gen erfül­len müs­sen. Dar­un­ter zäh­len bei­spiels­wei­se Mie­ter­strom Kon­zep­te zum Vor­an­trei­ben der Ener­gie­wen­de. 

Des­halb ist die Woh­nungs­wirt­schaft die zweit­wich­tigs­te Bran­che für Ener­gie­ver­sor­ger, direkt nach der Zusam­men­ar­beit mit Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen. 

Her­aus­for­de­run­gen des digi­ta­len Wan­dels für Ener­gie­ver­sor­ger

Gestie­ge­ner Wett­be­werb in der Ener­gie­wirt­schaft

Immer mehr Akteu­re tre­ten in die Ener­gie­bran­che ein. Auch bis­her bran­chen­frem­de Unter­neh­men ent­schei­den die Umwäl­zung in der Ener­gie­wirt­schaft für einen Ein­tritt in den Geschäfts­be­reich zu nut­zen. Auf­grund des gestie­ge­nen Wett­be­werbs­drucks wird das Sen­ken der Kos­ten und die Ver­bes­se­rung der Kun­den­bin­dung umso wich­ti­ger für bestehen­de Ener­gie­dienst­leis­ter. Grund für den Ein­tritt neu­er Akteu­re ist sowohl die anste­hen­de Ener­gie­wen­de, wel­che den Fokus auf Öko­strom legen lässt, sowie auch die Digi­ta­li­sie­rung. 

Heu­te ist es viel ein­fa­cher die Strom- oder Was­ser­kos­ten unter­schied­li­cher Anbie­ter zu ver­glei­chen und das güns­tigs­te Ange­bot aus­zu­wäh­len. Des­halb haben Kun­den nun viel mehr Aus­wahl­mög­lich­kei­ten als nur das Stadt­werk vor Ort. 

Daten­si­cher­heit

Auf­grund der gestie­ge­nen Men­ge an Daten und digi­ta­len Abläu­fen wird die Sicher­heit der Daten zu einem kri­ti­schen Punkt. Um sowohl die Kun­den­da­ten, als auch die eige­nen Infor­ma­tio­nen best­mög­lich schüt­zen zu kön­nen, möch­ten sich vie­le Ener­gie­ver­sor­ger in Zukunft stär­ker dem The­ma Daten­si­cher­heit wid­men, um die­ser Schwach­stel­le ent­ge­gen­zu­wir­ken. 

Datenauswertung Digitalisierung

Daten­aus­wer­tung

Die, durch digi­ta­le Abläu­fe gewon­ne­nen Daten müs­sen auch aus­ge­wer­tet wer­den, um Erkennt­nis­se für Ener­gie­ver­sor­ger lie­fern zu kön­nen. Im Bereich Daten­ana­ly­se und ‑aus­wer­tung haben vie­le Stadt­wer­ke noch Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al. So könn­ten in Zukunft dank der Daten bei­spiels­wei­se Kun­den­pro­fi­le bes­ser ver­stan­den wer­den und so auch Pro­gno­sen bedeu­tend opti­miert wer­den. Des­halb kön­nen Daten bei rich­ti­gem Ein­satz auch zu einer gro­ßen Chan­ce für Ener­gie­ver­sor­ger wer­den.

Inves­ti­tio­nen

Der Weg zur Digi­ta­li­sie­rung ist mit hohen Kos­ten ver­bun­den. Lang­fris­tig gese­hen kön­nen digi­ta­li­sier­te Pro­zes­se aller­dings Kos­ten­ein­spa­run­gen und eine höhe­re Effi­zi­enz rea­li­sie­ren. Der jewei­li­ge Ener­gie­ver­sor­ger muss hier mit­tels einer IT-Kos­ten-Nut­zen-Ana­ly­se abwä­gen und soll­te dar­auf ach­ten die lang­fris­ti­ge Ver­bes­se­rung, wel­che oft­mals mit digi­ta­li­sier­ten Pro­zes­sen ein­her kommt, zu beach­ten.

Stu­di­en zur Ener­gie­wirt­schaft 4.0