Mit neu­en Rege­lun­gen will die EU dem Weg­werf-Trend ent­ge­gen­wir­ken: Die Repa­ra­tur von Elek­tro­ge­rä­ten soll erleich­tert wer­den. Das könn­te erheb­li­che CO2-Ein­spa­run­gen bedeu­ten und auch der Haus­halts­kas­se von Ver­brau­chern zugu­te­kom­men. Smart­ri­ci­ty befür­wor­tet die­se Rege­lung — und for­dert zusätz­lich eine Kenn­zeich­nung für alle Elek­tro­ge­rä­te, die Aus­kunft dar­über gibt, wie viel Ener­gie und Res­sour­cen bei der Her­stel­lung benö­tigt wer­den.

2016 sind laut dem Glo­bal E‑Waste Moni­tor 2017 welt­weit 44,7 Mil­lio­nen Ton­nen Elek­tro­schrott ange­fal­len. Das ent­spricht gan­zen 4,500 Eif­fel­tür­men, die inner­halb eines Jah­res ihren Weg auf die Müll­de­po­nie gefun­den haben. Künf­tig sol­len defek­te Gerä­te häu­fi­ger repa­riert als weg­ge­wor­fen wer­den. Am Diens­tag, den 08.10.2019, beschloss die EU-Kom­mis­si­on, dass Her­stel­ler Elek­tro­ge­rä­te in Zukunft so pro­du­zie­ren müs­sen, dass man sie ein­fa­cher wie­der repa­rie­ren kann, so berich­te­te das ZDF. Die Rege­lung soll ab 2021 in Kraft tre­ten.

Geplan­te Obso­le­s­zenz: Her­stel­ler legen es dar­auf an, dass Gerä­te den Geist auf­ge­ben

Die EU zieht den Ste­cker für Strom­fres­ser und geplan­te Obso­le­s­zenz”, mein­te BUND-Exper­tin Caro­li­ne Gebau­er. Hand­wer­kern zufol­ge wer­den Repa­ra­tu­ren von Elek­tro­ge­rä­ten immer kom­pli­zier­ter. Bei­spiels­wei­se las­sen sich Gehäu­se nicht öff­nen, oder ein gan­zes Modul muss aus­ge­wech­selt wer­den, wenn nur ein klei­ner Schal­ter defekt ist. Immer wie­der wer­den Mut­ma­ßun­gen laut: Her­stel­ler kon­stru­ie­ren ihre Pro­duk­te gezielt so, dass sie nach einer gewis­sen Zeit kaputt gehen.

Die neu­en EU-Regeln ver­pflich­ten Her­stel­ler, Elek­tro­ge­rä­te so zu ent­wi­ckeln, dass sie nicht nur unkom­pli­zier­ter repa­riert wer­den, son­dern nach ihrer Lebens­zeit auch recy­celt wer­den kön­nen. Die EU-Kom­mis­si­on bezieht sich hier auf Kühl­ge­rä­te, Wasch­ma­schi­nen, Geschirr­spü­ler, Leucht­mit­tel, elek­tro­ni­sche Dis­plays, Netz­tei­le, Elek­tro­mo­to­ren und Schweiß­bren­ner.

In der kon­kre­ten Umset­zung der Plä­ne müs­sen Pro­du­zen­ten Ersatz­tei­le sie­ben bis zehn Jah­re nach dem Ver­kauf anbie­ten und inner­halb von 15 Werk­ta­gen lie­fern. Die Ersatz­tei­le müs­sen mit all­ge­mei­nem Werk­zeug aus­tausch­bar sein, ohne dass dem Gerät dabei Scha­den zukommt. Zudem sol­len Hand­wer­ker bes­ser über die Gerä­te infor­miert wer­den.

Mas­si­ve CO2- und Strom­kos­ten-Ein­spa­run­gen

Smart­ri­ci­ty begrüßt die­se Rege­lun­gen der EU aus­drück­lich. Laut Aus­sa­gen der EU-Kom­mis­si­on kann der jähr­li­che Strom­ver­brauch so bis 2030 um 167 Mil­li­ar­den Kilo­watt­stun­den sin­ken. Das sind etwa 46 Mil­lio­nen ein­ge­spar­te Ton­nen CO2. Auch der Ver­brau­cher kann pro­fi­tie­ren: Pri­vat­haus­hal­te sol­len im Schnitt 150 Euro jähr­lich ein­spa­ren. Der Bund für Umwelt und Natur­schutz setzt etwas gerin­ger an — hier wird mit einer Ein­spa­rung von 140 Mil­lio­nen Kilo­watt und 20 Mil­li­ar­den Euro Ein­spa­run­gen bei Strom­rech­nun­gen geschätzt. Es herrscht jedoch Eini­gung dar­über, dass sich die Rege­lung posi­tiv auf die Umwelt und gege­be­nen­falls auf den Geld­beu­tel der Ver­brau­cher aus­wirkt.

Die Repa­ra­tur defek­ter Alt­ge­rä­te ist nicht immer die öko­lo­gisch sinn­volls­te Vari­an­te

Ob sich die Repa­ra­tur eines defek­ten Geräts lohnt oder nicht, kommt aber auf den indi­vi­du­el­len Ein­zel­fall an. Aus wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten lässt sich das auf Smart­ri­ci­ty bereits über­prü­fen.

Lei­der hal­ten Her­stel­ler jedoch die genaue Infor­ma­ti­on zu auf­ge­wen­de­ter Ener­gie und Res­sour­cen im Her­stel­lungs­pro­zess unter Ver­schluss. Bis­he­ri­ge Bestre­bun­gen, die­se Infor­ma­ti­on etwa in das EU-Ener­gie­la­bel zu inte­grie­ren, schei­ter­ten. Ob Aus­tausch oder Repa­ra­tur die Umwelt lang­fris­tig weni­ger belas­tet, kann des­halb auch unter der neu­en Rege­lung nicht kom­plett trans­pa­rent nach­voll­zo­gen wer­den.

Des­halb for­dert Smart­ri­ci­ty eine Kenn­zeich­nung für alle Elek­tro­ge­rä­te, die Aus­kunft dar­über gibt, wie viel Ener­gie und Res­sour­cen für die Her­stel­lung ange­wen­det wer­den. Auf die­sem Wege wäre es ohne wei­te­res mög­lich, kon­kret zu bestim­men, ob eine Repa­ra­tur oder der Aus­tausch des Alt­ge­räts ener­ge­tisch sinn­vol­ler ist. So könn­te man die Her­stel­ler letzt­lich dazu anre­gen, Elek­tro­ge­rä­te nicht nur lang­le­bi­ger, son­dern auch res­sour­cen­scho­nen­der zu pro­du­zie­ren.