Digi­ta­li­sie­rung ist super, denn sie erleich­tert unser Leben. Digi­ta­li­sie­rung macht alles bes­ser, denn sie spart Papier, das Inter­net ver­kürzt Wege und ermög­licht uns Zugang zu unbe­grenz­tem Wis­sen. Oft ist uns dabei nicht bewusst, dass jeder Schritt im Inter­net auch Ener­gie ver­braucht. Wie schaut es mit dem Strom­ver­brauch aus? Ist das Inter­net wirk­lich so ener­gie­ef­fi­zi­ent, wie alle immer mei­nen? Wie kön­nen wir Strom­fres­ser bekämp­fen? Die­se Fra­gen ver­su­chen wir in die­sem Blog­post zu klä­ren.

Welt­weit wird immer mehr Ener­gie ver­braucht. Com­pu­ter, Smart­pho­nes und Rechen­zen­tren sind an knapp drei Pro­zent des glo­ba­len Ener­gie­ver­brauchs betei­ligt. Die Ener­gie im Ver­hält­nis zur Pro­duk­ti­vi­tät steigt jähr­lich um 1,8 Pro­zent an — im digi­ta­len Bereich sogar um vier Pro­zent, denn es kom­men immer neue Nut­zungs­mög­lich­kei­ten hin­zu. Außer­dem nut­zen heu­ti­ge Com­pu­ter pro Minu­te fast genau so viel Strom wie die ers­ten Home Com­pu­ter. Der Strom­ver­brauch bleibt dem­nach über die Jahr­zehn­te kon­stant. Allein die Netz­in­fra­struk­tur in Deutsch­land benö­tigt jähr­lich 55 Tera­watt­stun­den Strom. Das ent­spricht unge­fähr zehn mitt­le­ren Kraft­wer­ken. In Frank­furt befin­det sich die größ­te Ansamm­lung von Rechen­zen­tren in Deutsch­land. Sie ver­brau­chen 20 Pro­zent der städ­ti­schen Ener­gie.

Strom­fres­ser 1: Video Strea­ming

Der glo­ba­le Daten­ver­kehr besteht zu 80 Pro­zent aus Video­da­ten. Die­se sind beson­ders groß und benö­ti­gen daher viel Spei­cher­platz und viel Ener­gie bei der Über­tra­gung. Im Zeit­raum von Janu­ar bis März 2019 haben wir Deut­sche 1,2 Mil­li­ar­den Stun­den Vide­os über das Inter­net gestreamt. Eini­ge Nut­zer argu­men­tie­ren, dass Strea­ming umwelt­freund­li­cher ist, denn schließ­lich spart man sich ja die Plas­tik­ver­pa­ckung einer DVD- oder Blu­eR­ay-Hül­le. Ein gestream­tes Video ver­ur­sacht nur cir­ca 420 Gramm CO2-Emis­sio­nen pro Stun­de und ein Film auf DVD (mit dem Auto aus der Video­thek geholt) bis zu 710 Gramm pro Stun­de. Den­noch darf man nicht ver­ges­sen, dass die Vide­os auf Ser­vern lie­gen, wel­che wie­der­um auch Strom ver­brau­chen. Kri­tisch ist zudem die bin­ge watching Funk­ti­on bei­spiels­wei­se bei Net­flix, die dazu führt, dass der Nut­zer unkon­trol­liert eine Fol­ge nach der ande­ren kon­su­miert. In Nord­ame­ri­ka steht Net­flix bei­spiels­wei­se für rund 37 Pro­zent der Daten­strö­me.

Der Clean Ener­gy Index von Green­peace betrach­tet den Strom­ver­brauch von Unter­neh­men und wel­chen Anteil erneu­er­ba­re Ener­gie an dem Strom­ver­brauch haben. Im Bereich Video Strea­ming schnei­det You­Tube mit 56 Pro­zent und mit Note A am bes­ten ab. Ama­zon Prime erhält die abschlie­ßen­de Note C und Net­flix wird mit D bewer­tet.

Anschalten des Streaming-Dienstes Netflix auf TV-Gerät

Strom­fres­ser 2: Musik Strea­ming

Dank Musik Strea­ming hat sich die Pro­duk­ti­on von Plas­tik­müll ver­rin­gert. Den­noch fin­det gleich­zei­tig ein Anstieg der Treib­haus­ga­se statt. In den USA betrug der Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen im Jahr 2000 von 157 Kilo, 2016 waren es bereits 200–350 Kilo im Jahr. Beim Clean Ener­gy Index schnei­det iTu­nes mit 83 Pro­zent erneu­er­ba­ren Ener­gie und Note A am bes­ten ab. Im Ver­gleich schnei­den Spo­ti­fy (D) und Sound­Cloud (F) deut­lich schlech­ter ab.

Stromfresser Musik-Streaming

Strom­fres­ser 3: Such­ma­schi­nen

Wenn wir etwas nicht wis­sen, grei­fen wir oft schnell auf Such­ma­schi­nen wie Goog­le zurück. Pro Tag wer­den welt­weit cir­ca 3,45 Mil­li­ar­den Such­an­fra­gen getä­tigt. Ob du es glaubst oder nicht, aber auch das ver­braucht eini­ges an Strom. So wer­den pro Suche 0,3 Watt­stun­den Strom benö­tigt. 20 Suchen las­sen sich mit dem ein­stün­di­gen Bren­nen einer Ener­gie­spar­lam­pe ver­glei­chen. Das klingt auf den ers­ten Blick viel­leicht nicht viel, aber wenn bei einer Sport­ver­an­stal­tung plötz­lich 500.000 Nut­zer nach dem Live­stream suchen ent­spricht das schnell 25.000 Ener­gie­spar­lam­pen. Nach dem Clean Ener­gy Index wird Goog­le mit der Note A bewer­ten, vor Bing und Yahoo, die jeweils mit Note B abschnei­den.

Goog­le setzt zwar zu 100 Pro­zent Strom aus erneu­er­ba­ren Quel­len ein, aber wer­tet auf der ande­ren Sei­te Daten von Gmail-Nut­zern aus und schal­tet gezielt Wer­bung, die zum Kau­fen anregt, was wie­der­um der Umwelt scha­det.

Stromfresser Suchmaschinen wie beispielsweise Google

Wie kann ich mich ener­gie­ef­fi­zi­ent im Inter­net bewe­gen?

Trotz des hohen Strom­ver­brauchs im Inter­net, lässt sich den­noch eini­ges tun, um den Strom­fres­ser zu bän­di­gen. Tipps zum Strom­spa­ren beim Video Strea­ming haben wir bereits aus­führ­lich auf dem Blog behan­delt.

Hier haben wir sie­ben Lösungs­vor­schlä­ge für dich zusam­men­ge­stellt:

  1. Ent­wick­le Bewusst­sein

    Ent­wick­le das Bewusst­sein, dass sowohl Strea­ming und im Inter­net sur­fen als auch die dazu benö­tig­ten End­ge­rä­te Strom ver­brau­chen.

  2. Ver­wen­de Alter­na­ti­ven

    Wer nicht unbe­dingt sei­ne Daten an Goog­le preis­ge­ben möch­te, kann auch getrost auf Alter­na­ti­ven zurück­grei­fen, die eben­falls auf die För­de­rung erneu­er­ba­rer Ener­gi­en set­zen. Alter­na­ti­ve Mail­pro­gram­me sind bei­spiels­wei­se Pos­teo oder Mail­box. Als Such­ma­schi­nen eig­nen sich vor allem Start­pa­ge, Duck­Duck­Go oder Eco­sia.

  3. Übe dich in Acht­sam­keit

    Ver­su­che beim Anschau­en von Fil­men oder Seri­en nicht gleich­zei­tig auf dein Smart­pho­ne zu gucken. Außer­dem soll­test du nicht jeden Abend mit Net­flix und Co. ver­schwen­den. Mach ab und zu digi­tal detox und triff dich mit Freun­den. Auch unter­wegs ist es manch­mal schö­ner, kei­ne Musik zu hören und ein­fach die Welt um sich her­um wahr­zu­neh­men.

  4. Qua­li­tät redu­zie­ren

    Es muss nicht immer 4K sein. Die Ansprü­che von uns Kon­su­men­ten stei­gen stän­dig. Vor ein paar Jah­ren hat sich nie­mand über eine 720p-Auf­lö­sung, die weit­aus mehr Strom spart als 4K, beschwert.

  5. Auch mal abschal­ten.

    Wenn dir ein Film oder eine Serie nicht zusagt, schal­te ein­fach den Fern­se­her oder den Com­pu­ter aus.

  6. Design von Platt­for­men ändern

    Um bei Web­sites Strom zu spa­ren, lohnt es sich Auto­play und inte­grier­te Vide­os zu unter­bin­den. Zudem brau­chen Web­sites mit schlan­kem Design ohne viel Schnick­schnack weni­ger Daten und spa­ren somit auch Ener­gie.

  7. alter­na­ti­ve Küh­lung der Rechen­zen­tren

    Die Küh­lung von Ser­vern in Rechen­zen­tren funk­tio­niert meis­tens über Luft (Kli­ma­an­la­gen). Alter­na­tiv wäre auch eine Küh­lung durch Was­ser denk­bar, die eini­ges an Strom spa­ren wür­de.


Bil­der:
1 by Man­prit Kal­si on Uns­plash
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3 by Sara Kur­feß on Uns­plash
4 by Edho Pra­ta­ma on Uns­plash